Das Märchen Rumpelstilzchen

Bewohner und Kinder verfolgen die märchenhafte Geschichte von der armen Müllerstochter, dem goldgierigen König und dem verschlagenen Waldmännlein Rumpelstilzchen.
Bewohner und Kinder verfolgen die märchenhafte Geschichte von der armen Müllerstochter, dem goldgierigen König und dem verschlagenen Waldmännlein Rumpelstilzchen.

Ist „Kantapper, kantapper…“ eigentlich aus dem Märchen Rumpelstilzchen? Das frage ich mich in den letzten Tagen öfter. Denn Rumpelstilzchen soll bei uns im Franziskushaus vom Puppentheater Hartmann gespielt werden. Das Märchen kennt natürlich jeder! Eigentlich. Aber wenn man es sich so recht überlegt, ist die Handlung irgendwie doch nicht mehr so vertraut. „Kantapper, kantapper…“ aus welchen Märchen war das noch gleich? Wirklich Rumpelstilzchen?

Jeder von uns trägt das Bild von der Großmutter im Lehnstuhl in sich, mit Dutt im Haar, Brille auf der Nase und ein Wolltuch um die Schultern gewickelt. Auf ihren Knien liegt ein uraltes Buch, zu ihren Füßen hocken die Kinder, denen sie am offenen Stubenfeuer Grimms Märchen vorliest. Deshalb denken wir ja, Märchen seien für Kinder, und auch ein paar Bewohner reagieren erst einmal entsprechend verhalten auf die Ankündigung des Puppenspiels. Also laden wir uns kurzerhand die Beringhauser Kindergartenkinder dazu ein. Das ist doch die Gelegenheit, uns endlich einmal für deren viele schöne Besuche bei uns zu revanchieren, und wir haben, das muss ich schon zugeben, ein Alibi, uns nun auch ein Marionettenmärchen anzuschauen.

Dewi Hartmann zieht hinter der Bühne die Strippen seiner liebevoll gestalteten Marionetten.
Dewi Hartmann zieht hinter der Bühne die Strippen seiner liebevoll gestalteten Marionetten.

Dann ist Montagmorgen. Das Theater ist aufgebaut, die Bewohner kommen kantapper, kantapper in den Saal hinein, der heute mal der Zuschauerraum ist. Die Kindergartenkinder biegen an der Hand ihrer Erzieherinnen um die Flurecke und es raunt hier und da: „Ach, guck mal … die Kinder sind da!“ Die noch so jungen, erwartungsvollen Gesichter der Kleinen zaubern Lächeln in die der Großen. Irgendwie gewinnt man den Eindruck: „Jetzt ist alles richtig“. Das Licht geht aus. Das Spiel beginnt!

Puppenspieler Dewi Hartmann nimmt seine Zuschauer von der ersten Sekunde an gefangen. Er erzählt die Geschichte von der armen Müllerstochter, die den König heiratet, weil ihr Vater damit geprahlt hat, sie könne Stroh zu Gold spinnen. Das stimmt natürlich gar nicht und deshalb ist das Töchterchen ganz furchtbar verzweifelt. Da kommt ein kleines Waldmännlein zu Hilfe, das – schwubbs – zu Gold versponnenes Stroh liefert. Das fordert natürlich seinen Preis. Zuerst das Halskettchen des Mädchens, dann seinen Ring und schließlich sogar sein Kind! Ganz ehrlich,- wussten sie das noch?

Das arme Mädchen ist inzwischen tatsächlich Königin und darf ihr Baby vielleicht doch behalten. Wenn sie des Männleins Namen errät! Soweit die Geschichte, wie sie die Kinder hören und sehen. Für die Erwachsenen ist es die Geschichte von einem in Armut geborenen Mädchen mit geringen Heiratschancen, einer schnellen Lüge, einem Herrscher, der nach immer mehr Gold giert und dem verschlagenen Männlein, das aus all diesen Begierden seine Intrigen spinnt. Also doch auch ein Märchen für Erwachsene, oder?

Der Müller und seine Tochter Gretel sprechen mit ihren ausdrucksstarken Gesichtern Groß und Klein an.
Der Müller und seine Tochter Gretel sprechen mit ihren ausdrucksstarken Gesichtern Groß und Klein an.

Dann kommt endlich der Spruch, den wir alle mit dem Rumpelstilzchen in Verbindung bringen: „Kantapper, kantapper…“ Nein, Blödsinn, das stimmt ja gar nicht! Des Rumpelstilzchens Lied geht so: „Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind. Ach wie gut, das niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ Das weiß doch nun wirklich jedes Kind. Deshalb erwarte ich auch, dass Kinder wie Bewohner hier unbedingt mitsprechen. Doch es ist mucksmäuschenstill im Saal. Das Geschehen auf der Bühne bindet alle Aufmerksamkeit.

Dewi Hartmann aus Bochum versteht eben sein Handwerk. Er spricht jede Rolle selbst, lässt allein alle seine Puppen tanzen, die er, nebenbei bemerkt, selbst gebaut und bekleidet hat, malt die Kulissen, näht den Vorhang, schweißt das Bühnengestell, sucht treffsicher die Musik für die Pausen aus. Alles zusammen passt in zwei Koffer, mit denen er – kantapper, kantapper – schon bald in die nächste Alteneinrichtung fährt.
Und in welchem Märchen rollt nun der dicke fette Pfannkuchen „kantapper, kantapper in den Wald hinein“ 😉 ?

Text + Fotos: Elisabeth Bömken

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